Gasthof s’Gräbele: Zimmerservice, Thekendienst und Gästekontakt
Im Jahr 2019 übernahm Pascal Luik einen traditionsreichen Beherbergungsbetrieb und Gasthof in Tübingen-Bühl. Früher als „Germania“ bekannt betreibt der neue Besitzer Hotel und Restaurant jetzt unter dem Namen „s’Gräbele“. Er wird dabei unterstützt von einem eingespielten zehnköpfigen Team. Dieses erledigt sieben Tage die Woche alle anfallenden Arbeiten in Hotel und Restaurant einschließlich der Wäschereinigung.
Stationen auf dem Weg zu einem Betrieb mit inklusiven Arbeitsplätzen
Aus der Immobilien- und Logistikbranche kommend hatte Pascal Luik zunächst weder die Absicht den Betrieb selbst zu betreiben noch inklusive Arbeitsplätze einzurichten.
Es kam anders. Durch Impulse aus seinem privaten Umfeld wurde er neugierig und nahm Kontakt mit der Lebenshilfe Tübingen e.V. auf. Dabei profitierte er von der mehr als 25-jährigen Erfahrung der Organisation, Menschen mit Lernschwierigkeiten auf ihrem Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu begleiten. Er bekam umfassende Unterstützung, seinen neuen Mitarbeitenden den Einstieg ins Arbeitsleben als Alternative zu einer Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu verwirklichen. Aktuell beschäftigt Pascal Luik drei Mitarbeitende aus dieser Personengruppe.
Seit 2022 fest im Team mit dabei ist Nikos Panagiotoglou. Beim Betriebsbesuch Mitte September gab der junge Mitarbeiter der mehrköpfigen Delegation einen Einblick in seinen abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Er ist in den Bereichen Hauswirtschaft, Küche und Service tätig und übernimmt dabei vielfältige Aufgaben. Im Zimmerservice ist er im Schnitt für bis zu fünf Zimmer zuständig. Dazu gehört, die Betten abzuziehen und neu zu beziehen, die Bäder zu reinigen, die Zimmer zu saugen und die Getränke bereitzustellen. Auch das Waschen und Trocknen der Schmutzwäsche gehört zu seinen täglichen Aufgaben und rundet seinen Einsatz im Zimmerservice ab.
Besonders gern arbeitet er auch in der Küche, wo er den Koch bei verschiedenen Aufgaben zur Hand geht. Beim Thekendienst sorgt er unter anderem dafür, dass die Gläser und das Besteck an ihrem Platz sind, zapft die Getränke und bereitet die Tabletts vor. Im Servicebereich schätzt er besonders den direkten Kontakt mit den Gästen. Er nimmt Bestellungen am Tisch auf und serviert Speisen und Getränke. So ist er in vielen Bereichen des Betriebs aktiv und trägt zu einem reibungslosen Ablauf bei.
Auf diese Weise arbeitet er 25 Stunden die Woche flexibel – und sehr zuverlässig. Begonnen hat für Nikos Panagiotoglou beim „s‘Gräbele“ alles mit einem Praktikum. Vom elterlichen Gasthof bereits mit vielen hauswirtschaftlichen Arbeiten vertraut, stand für ihn schnell fest, dass er bleiben will. Besonders Spaß macht ihm das Bedienen der Gäste und „mit den Leuten reden“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber wurden in dem ganzen Prozess eng vom Team der Berufliche Bildung der Lebenshilfe Tübingen e.V. begleitet. Bei der weiteren Beratung und der Beantragung der Fördermöglichkeiten für den Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kam der Inklusions- und Integrationsfachdienst Neckar-Alb (IFD) mit ins Boot.
Was ist zu tun? - Organisation des Arbeitsalltags
Pascal Luik lernt alle seine Beschäftigten selbst ein und erstellt gemeinsam mit ihnen passende Arbeitsanleitungen und Tagespläne. Das funktioniert auch prima mit einer Mitarbeiterin, die nicht lesen und schreiben kann. Die Kommunikation läuft für alle weitgehend über WhatsApp und dem Einsatz von eigens ausgearbeiteten Emojis zu den einzelnen Arbeitsschritten. Unter anderem dabei hat ihn die Mitarbeiterin der Lebenshilfe umfassend unterstützt. Pascal Luik betont: „Der Plan ist wichtig, auch zur Selbstkontrolle und zur Sicherheit, alles erledigt zu haben.“ Ebenfalls über WhatsApp wird der Beginn und das Ende der Arbeitszeit übermittelt. Stetige Kommunikation während der Arbeitszeit ist einer der Erfolgsfaktoren. Pascal Luik kann auch mal problemlos außer Haus sein kann mit dem Wissen, dass die Arbeiten erledigt werden. Alle haben einen Schlüssel und damit Zugang zu einem Zentralschlüssel für alle Räume im Haus. Nach getaner Arbeit kommt der Zentralschlüssel an seinen Platz zurück.
Und der Aufwand als Arbeitgeber? „Der ist überschaubar!“, so die Aussage von Pascal Luik. Er ergänzt: „Das Ausfüllen der Formulare ist schnell ‚abgevespert‘. Mir ist die Angst genommen worden!“
Nutzen für alle Beteiligten: Stimmen zu den Win-wins
Für Pascal Luik ist die Sache klar. Für ihn ist der Gewinn die konstante Situation im Team, in der das Arbeiten viel Spaß macht. Kurz und bündig: es ist die Zuverlässigkeit und die Atmosphäre, die entsteht: „Ganz wichtig, das merken dann auch die Gäste!“
Für Nikos Panagiotoglou kommt noch ein weiteres hinzu: „Ich verdiene mit meiner Arbeit mein eigenes Geld. Damit verwirkliche ich mir meine Träume!“
Pascal Luik blickt nach vorne. Er wird expandieren und das Modell „s’Gräbele“ mit einem Hotel in Stuttgart mit 31 Zimmern auf fünf Etagen kopieren, diesmal ohne Restaurant. Kontakt zur Stuttgarter Lebenshilfe hat er bereits aufgenommen.
Am Ende des Besuchs zieht Thorsten Flink sein Resümee: „Die Beschäftigung von Mitarbeitenden aus diesem Segment ist nicht der Aufwand, den Betreiber sich ausmalen. Man bekommt Unterstützung und das besondere Plus ist das gute Miteinander. Also: Nachahmer gesucht – wir hoffen auf Resonanz in der Unternehmerschaft!“
Zum Betrieb
Gasthof s’Gräbele Hotel Restaurant
inhabergeführt mit einem zehnköpfigen Team aus Fachpersonal, angelernten Kräften und Aushilfen
Unterstützung: Job Fit/Lebenshilfe Tübingen e.V. und Inklusions- und Integrationsfachdienst Neckar-Alb (IFD)
Gasthof ´s Gräbele Hotel Restaurant Tübingen
Der Betriebsbesuch fand Mitte September 2026 statt.